Eine lange Einsatznacht

mit 13 eingesetzten Feuerwehren, über 35 verschiedenen Einsatzörtlichkeiten und neun betroffenen Ortsteilen war die Bilanz eines kurzen, aber umso heftigeren Sommergewitters am Mittwoch, den 09. August 2017.

Gegen 23°° Uhr zog eine Unwetterfront südwestlich von Vilseck kommend Richtung Tschechei. Circa 5 Minuten später traf diese in Vilseck ein und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Zeitgleich mit einem kompletten Stromausfall wurde die Feuerwehr Vilseck um 23.10 Uhr zu einer Einsatzstelle „Am Langen Steg“ alarmiert. Beim Eintreffen im Gerätehaus musste sich zuerst im Dunkeln orientiert und die Fahrzeuge entsprechend der Unwetterlage beladen werden. Bereits während der Anfahrt zur ersten Einsatzstelle wurden mehrere, auf den Fahrbahnen liegende Bäume ausgemacht, was zu einer umgehenden Nachalarmierung der Feuerwehr Sorghof geführt hat.

Am Langen Steg wurden die Einheitsführer der Feuerwehr Vilseck von einem ortsansässigen Feuerwehrmann eingewiesen: zwei massive Bäume wurden komplett entwurzelt, krachten auf ein Dach kamen dort zum Liegen. Bei mehreren Häusern wurden Dachziegel ausgehoben und fanden sich auf der Straße wieder. Ebenfalls wurde eine Koppel Opfer des Unwetters, hier wurde die Hilfe der Feuerwehr nicht benötigt. Bei der weiteren Erkundung sollte sich jedoch die Einsatzstelle der Nacht herausstellen: zwei Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft bekamen die Auswirkungen der Windhose deutlich zu spüren. Während bei einem Haus lediglich Teile des Dachfirstes weggeweht wurden, war es beim Nachbarhaus nahezu das komplette Dach, welches regelrecht auf die Seite gedrückt wurde.

Während der Erkundung dieser Einsatzstelle wurden der Integrierten Leitstelle (ILS) Amberg vermehrt Einsätze im Bereich Vilseck gemeldet, weswegen zur Koordinierung und Lenkung der Einsätze die Unterstützungsgruppe (UG) Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) an  das Gerätehaus Vilseck alarmiert wurde. Zusammen mit Kreisbrandinspektor und Einsatzleiter Christof Strobl wurde dort der Einsatzstab gebildet und freie Einsatzfahrzeuge zu anstehenden Einsätzen entsendet. Zur Beurteilung der Sturmschäden wurden unter anderem auch zwei Fachberater des Technischen Hilfswerks (THW) hinzugezogen, welche ihre fachlichen Meinungen an die Feuerwehren weitergaben. Nachdem ein schnelles Einsatzende nicht absehbar war, wurde an die Sammelstelle am Feuerwehrgerätehaus Vilseck die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Versorgung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) alarmiert, welche auch mit einem Rettungswagen zur Sicherheit bereit standen. Durch die Helfer des BRKs wurden die Einsatzkräfte mit warmer Suppe, Kaffee und alkoholfreien Getränken versorgt. Den Einsatzstab vervollständigte eine Streife der Polizei, ein Notfallmanager der Deutschen Bahn, Kreisbrandrat Fredi Weiß, sowie 1. Bürgermeister der Stadt Vilseck Hans- Martin Schertl.

Einsatzstelle „Am Langen Steg“: Durch die regelmäßige Aus- und Fortbildung im Bereich der Absturzsicherung war es möglich, dass Helfer sich auf Dach begaben und lose Ziegel und absturzgefährdetes Gut entfernen konnten. Parallel hierzu wurden am Nachbarhaus die Vorbereitungen zum notdürftigen Verschluss des offenen Dachstuhls getroffen. Funktionsfähige Balken wurden von Isolierung und Nägeln befreit und für eine erneute Verwendung vorbereitet. Taghell erleuchtet wurde im Anschluss unter der Anleitung eines gelernten Zimmermanns ein Teil der alten, noch brauchbaren Balken wieder eingebaut, und das Dach mit einer Plane notdürftig verschlossen. Zur Stabilisierung des Dachstuhls wurden unter anderem auch Stabilisierungsstützen eingesetzt. Parallel hierzu wurden zusammen mit einem Mitarbeiter der örtlichen Energieversorgung Gegenstände aus einer Oberleitung geborgen, sodass der Ortsteil wieder mit Strom versorgt werden konnte. Zudem wurde die Zufahrt von herumliegenden und sturzgefährdeten Bäumen befreit.

Einsatzstelle „Bahnstrecke Neukirchen -> Freihung“: mehrere umgestürzte Bäume blockierten die Bahnstrecke nach Freihung. Zusammen mit einem Notfallmanager der Deutschen Bahn fuhren Wehrkräfte der Feuerwehr mit einem „Sonderzug“ und Material die Strecke ab und beseitigten Bäume und größeres Astmaterial.

Einsatzstelle „Heringnohe“: nahezu identisch zur Einsatzstelle „Am Langen Steg“ sah das Bild in Heringnohe aus. Hier sorgte die Unwetterfront für umgestürzte Bäume, die vor allem das Schloss des Gutshofs bedrohten. Bereits auf der Anfahrt mussten sich die Kräfte hier den Weg durch das Geäst schneiden. Neben den Kräften der Feuerwehr Sorghof war die Feuerwehr des US- Südlager in diesen Einsatz eingebunden.

Neben diesen größeren Einsatzstellen galt es noch eine Vielzahl an weiteren, zum Teil nur mäßig geringeren Aufgaben abzuarbeiten. Kreisbrandrat Fredi Weiß und 1. Bürgermeister Schertl fuhren die Einsatzstellen an, dankten den eingesetzten Kräften für Ihren Einsatz und nahmen Gespräche mit den geschädigten Bürgern auf.

In den Nachtstunden wurden die Feuerwehren auch durch den Bauhof der Stadt Vilseck, sowie den Kreisbaufhof des Landkreises Amberg- Sulzbach bei der Beseitigung der Sturmschäden unterstützt. Ab 6°° Uhr kamen diverse Forstunternehmen, aber auch mehrere Autokräne zum Einsatz, um die massiveren Bäume sicher zu entfernen.

Die „Schadenslage Vilseck“ dauerte in Summe 6 Stunden, rief 157 Einsatzkräfte verschiedener Organisationen auf den Plan und band neben den Landkreisführungskräften und der UG- ÖEL die Feuerwehren Edelsfeld, Freihung, Gressenwöhr, Holnstein, Schlicht, Schönlind, Sigl, Sigras, Sorghof, Vilseck, Weißenberg und die Feuerwehr des US- Südlagers ein.

Den Einsatz beendete die Feuerwehr Vilseck gegen 06°° Uhr und wurde im Tagesverlauf des Donnerstags erneut zu zwei wetterbedingten Einsätzen alarmiert.

Originalbericht und Bilder hier http://www.feuerwehr-vilseck.de/einsaetze/2017/170809_62/170809.php
Autor Niklas Obermeier