Schmidmühlen – Forschungsprojekt der LMU München - „Meinung gefragt“

SCHMIDMÜHLEN. Erforschen, was die Menschen denken und wohin eine Gesellschaft steuert ist ein unerschöpfliches Aufgaben- und Forschungsfeld für Soziologen. Denn, Forschungsfelder gibt es in einer sich mehr denn je ausdifferenzierten Gesellschaft gibt es zu Genüge. So eröffnet sich beispielsweise angesichts der Integrationsaufgabe der Flüchtlinge in Deutschland ein neues weites Forschungsfeld für die Soziologen. Bei einem aktuell laufenden Forschungsprojekt der Ludwig – Maximilians – Universität war auch die Meinung von Jugendlichen aus Schmidmühlen gefragt. Mitgeholfen, dass dieses Projekt auch in der Lauterachtalgemeinde durchgeführt werden konnte, war der rührigen Jugendleiterin der Feuerwehr, Katharina Müller, zu verdanken, die sich mit mehreren Jugendlichen für eine Gruppendiskussion zur Verfügung stellte. Dies ist sicher ein Novum in der Jugendarbeit in Schmidmühlen. Das Forschungsprojekt der LMU wird vom Lehrstuhl für Soziologie von Prof. Dr. Paula – Irene Villa geleitet Das Projekt setzt sich damit auseinander, welche Deutungen von Fürsorge („Care“) junge kinderlose Erwachsene in Bayern haben. Es wird gefragt, ob die Jugendlichen hierzu ein (Problem-) Bewusstsein haben und in wie weit  Care/Fürsorge Teil ihrer Lebenswelt oder ihrer Zukunftsvorstellungen ist. Das Projekt rückt insbesondere einen Aspekt in den empirischen Fokus, nämlich die Heterogenität der sozialen Positionen und der Konstruktionen. So wird erforscht, ob sich die Deutungen von Care nach Milieu, Alter, Geschlecht und formaler Bildung/Schicht unterscheiden. Und ob  Raum und Zeit dabei relevant sind. Gemeint sind mit Raum und Zeit lebensweltliche Deutungen von Care – Formen als z.B. „früher“, „damals“, „heute“, auf’m Dorf“, „bei den Großeltern“ usw. Für Bayern als Region, die von der Gleichzeitigkeit ländlicher und urbaner, religiöser und laizistischer, junger und alter, strukturstarker und –schwacher Konstellationen geprägt ist, dürften alltagsweltliche Deutungen von Raum und Zeit hinsichtlich Care besonders interessant und auch relevant sein. Für das Forschungsprojekt war der Termin in Schmidmühlen ohne Zweifel ein großer Gewinn, denn im Verlauf des Nachmittags wurden verschiedene Aspekte des ländlichen Raums intensiv erörtert und diskutiert. Die (in der Auswertung anonyme) Datenerhebung dauerte mehr als zwei Stunden und die Ergebnisse waren sicher ein wichtiger Baustein für dieses Forschungsprojekt, aber zugleich auch eine wertvolle Erfahrung für die Jugendlichen.  (ajp)

Hintergrund

Paula-Irene Villa ist eine deutsch-argentinische Soziologin und  Lehrstuhlinhaberin für Allgemeine Soziologie und  Gender Studies am Institut für Soziologie der LMU München. Die wissenschaftliche Datenerhebung mit Gruppendiskussion und anderer wissenschaftlicher Methoden wurden von Maik Krüger M. A., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl geleitet.

Soziologie ist die Wissenschaft, die sich mit der empirischen und theoretischen Erforschung des sozialen Verhaltens befasst. Sie untersucht die unterschiedlichen Voraussetzungen, Folgen und  Abläufe  für das Zusammenlebe von Menschen.  (ajp)

2016-04-05 ffschmidm

Foto ajp zeigt die Jugendlichen, links im Bild Maik Krüger von der LMU München und rechts Katharina Müller, Jugendleiterin der FF Schmidmühlen, die die Diskussionsrunde ermöglichte.